Rechtsextremismus & Rassismus in der Schule

Rechtsextremismus in der Schule, Herausforderung rechte Schüler und rechte Lehrer, Rassismus in der Schule

Kinder und Jugendliche verbringen einen Großteil ihrer Lebenszeit in der Schule. Verhaltensweisen, Umgangsformen und Haltungen werden sowohl im Unterricht als auch in den Pausen maßgeblich mitbeeinflusst. Gleichzeitig sind Schulen auch ein Schutzraum, bei dem es wichtig ist, sich auszutesten. So können die Schüler*innen sehen, welche Reaktionen sie mit ihrem Verhalten auslösen. Deshalb braucht es neben einer guten Grundstruktur in der Schule - also einer wertschätzenden Umgebung - gute Modelle (Lehrkräfte) und klare Haltung, an denen sich die Kinder und Jugendlichen orientieren können. 

 

In vielen Schulen erleben wir Dynamiken der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, die Ausprägungen sind dabei unterschiedlich. Rechtsextremismus in der Schule sollte als Problem erkannt und benannt werden. Nur wer Probleme erkennt und anspricht, kann diese durch politische Bildung, Medien und entsprechende Materialien angehen. Oft haben Schulleitungen und Lehrkräfte allerdings Angst, dieses Thema aufzunehmen. Manchmal vorbehaltlich, um den Ruf zu schützen, doch eigentlich fast immer, um nicht mit der eigenen Überforderung umgehen zu müssen. Es braucht eine positive, menschenrechtsorientierte Grundhaltung und genau dieses Grundverständnis in der Schule. Nicht nur in der Sprache, viel mehr in der Handlung. Wenn Klassen und Kollegien sich als Teams verstehen, die eine Partnerschaft für die Bildung eingehen, geht es nicht um "Wir gegen die". Wenn Lehrkräfte sich selbst und den anderen Kolleg*innen gegenüber fehlertolerant sind und dies auch regelmäßig diskutiert wird, würden auch rassistische Vorfälle eher diskutiert werden. Es könnten gemeinsam Lösungen gefunden werden, aber auch Sicherheit in der Position und Haltung gegeben werden. Es bleibt viel zu tun, um Rechtsextremismus in der Schule zu begegnen. 

Unterstützung zu Rechtsextremismus und Rassismus in der Schule

Rechtsextreme Herausforderungen in der Schule

Von Schüler*innen

  • Rassistische(sexistische/homophobe/etc.) Sprüche in der Klasse
  • Rechte Inhalte in der Klassen-WhatsApp-Gruppe
  • Angst vor Ausgrenzung durch "Haltung zeigen"
  • Lehrkräfte, die Probleme ignorieren (oft aus eigener Überforderung)
  • Rechte Einstellungen bei Lehrkräften
  • Rechte Einstellungen der eigenen Eltern
  • Etc.

Von Lehrkräften

  • Rechte Sprüche in der Klasse
  • Mangelnde Unterstützung des Kollegiums
  • Fehlende, gemeinsame Haltung des Kollegiums
  • Rechte Einstellungen von Kollegen
  • Fehlende, klare Positionierung der Schulleitung
  • Falsches Verständnis des Neutralitätgebots
  • "Wenig Zeit" für Beziehungsarbeit
  • Angst vor dem Thema/Überforderung 
  • Angst, im Kollegium als inkompetent zu gelten
  • Abwertung durch andere Kolleg*innen 
  • Das Kind ist einfach schwierig...
  • Etc.

Umgang mit Rechtsextremismus und Rassismus in der Schule

Jede Situation ist einzigartig, sodass es an dieser Stelle keine Patentrezepte gibt. Eine ausführliche Auseinandersetzung würde zu jedem der Punkte ein Buch ergeben. Ich möchte kurz und knapp zu jedem der Punkte darstellen, wie meine Position aussieht. Gleichzeitig möchte ich Tipps geben, welche Punkte unbedingt bedachte werden sollten. So erhalten Sie eine erste Idee zu möglichen Handlungen. 

 

Herausforderung Erläuterung & Hinweise
Schüler*innen  

Rassistische (sexistische/homophobe/etc.) Sprüche in der Klasse

Oft wird in den ersten Monaten, wenn die Klasse zusammenkommt und man sich kennenlernt, getestet, was gesagt werden darf und was nicht. Je früher jemand oder am besten eine Gruppe deutlich macht, dass rassistische Sprüche nicht cool sind, desto einfacher ist es, zu vermeiden, dass diese alltäglich werden. Oft ist es hilfreich, in der Klasse darüber zu diskutieren, wie man miteinander umgehen möchte und warum. 

Rechte Inhalte in der Klassen-WhatsApp-Gruppe

WhatsApp-Gruppen werden oft als regelfreierer Raum gesehen. Diese Einstellung ist jedoch falsch. Wenn jemand darauf hingewiesen wird, dass bestimmte Sachen, die dort reingeschickt werden, nicht gewünscht sind, wird dies oft mit "ist doch nur Spaß" beantwortet, was Blödsinn ist. Wichtig ist hier ebenfalls, möglichst früh eine klare Position beziehen, am besten in einer Gruppe. Auch hier kann es hilfreich sein, sich im "real life" darüber auszutauschen, was man mit dieser Gruppe möchte und was nicht. 

Angst vor Ausgrenzung durch "Haltung zeigen"

Oft ist die Angst groß, jemandem in der Klasse zu sagen, das man nicht möchte, dass rassistische Sprüche fallen. Man hat Angst, daraufhin als Spielverderber und Moralapostel zu gelten. Gerade dann ist es wichtig, nicht alleine Probleme zu thematisieren, sondern in der Gruppe Haltung zu zeigen. Man kann schauen, wer dieses Verhalten ebenfalls nicht gut findet und sich einem Team zusammenzufinden. 

Lehrkräfte, die Probleme ignorieren (oft aus eigener Überforderung)

Es kann ziemlich frustrierend sein, wenn man in der Klasse sitzt, Rassismus geschieht und man erlebt, wie Lehrkräfte aktiv weghören und Themen ignorieren. Oft geschieht dies, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Aus eigenen Ängsten vor Überforderung wird es, bei Ansprechen des Nichttuns, auf die Politik, Gesellschaft oder Geschichtslehrkräfte abgewälzt. Bestenfalls wird das Thema gleichzeitig um Jahre nach hinten verschoben, wenn es irgendwann mal aufkommt. 

 

Wenn euch so etwas auffällt, hilft es meist nicht, der Lehrkraft vor allen vorzuwerfen, dass sie nichts macht. Stattdessen ist es sinnvoller, in einem ruhigen Moment alleine mit der Lehrkraft zu sprechen. Fragt sie, ob sie das Problem auch wahrnimmt und ob und wie man gemeinsam etwas machen kann. Eine gemeinsame Strategie ist viel sinnvoller als ein gegenseitiges Vorwerfen von Nichtstun. 

Rechte Einstellungen bei Lehrkräften

Auch das gibt es, leider gar nicht so selten, wie man denkt. Selten wäre aber, dass dies die einzige Haltung an der Schule bei den Lehrkräften ist. Wichtig ist hier, zu schauen, welche anderen Lehrkräfte man an der Schule als Verbündete gewinnen kann. Zudem solltet ihr rechtes Verhalten von Lehrkräften immer dokumentieren, also genau aufschreiben, was wann wo passiert ist und dies bestenfalls von allen unterschreiben lassen, die dabei waren. Je besser die Dokumentationen darüber sind, desto mehr kann Schulleitung auch machen.  

Rechte Einstellung der Eltern

In der Rubrik "Familie" gehe ich auf dieses Thema genauer ein. Wichtig ist, zu wissen, dass rechte Äußerungen von Mitschüler*innen auch von zu Hause motiviert sein können. Versucht, zu hinterfragen, warum sie sagen, was sie sagen und warum sie glauben, dass das so ist. Wenn jemand rechte Eltern hat, braucht er/sie viel Unterstützung, damit man andere Meinungen und Positionen erkennen und lernen kann. 

   
Lehrkräfte  
 Rechte Sprüche in der Klasse

Je früher Sie mit einer Klasse darüber ins Gespräch gehen, wie der Umgang miteinander sein soll, desto besser. Oft werden Klassenregeln aufgestellt, bei denen die Schüler*innen bei der Erstellung dieser letztendlich nur die Erwartungen der Lehrkräfte runterschreiben. Das "Warum" ist wichtig. Allerdings nicht als kollektives, sondern als individuelles "Warum". Ich fahre gut damit, wenn ich den Schüler*innen Raum gebe, in denen sie eine Situation aufschreiben, in denen sie schlecht behandelt worden sind, wie sich das anfühlt und was sich sich dazu wünschen würden. Lassen Sie diese Geschichten nicht laut vorlesen, sondern erzeugen Sie Neugier, indem Sie diese einsammeln und ein "Wertebuch" erstellen. Jede*r Schüler*in sollte eines erhalten, geben Sie dann Zeit, um ein wenig reinzulesen und die Aufgabe, dass jede*r eine Regel für die Klasse erstellen soll, die sich auf die Situationen der Einzelnen bezieht. Schauen Sie dann mit den Schüler*innen, ob es Regeln gibt, die man clustern kann, sodass Sie keine 30 Regeln haben. Die Schüler*innen haben so selbsterstellte Regeln, die sich aus den Herausforderungen des eigenen Lebens ableiten lassen. Somit haben sie einen viel größeren Mehrwert, als Regeln, die erwartungsgetreu und schulkonform sind. 

Mangelnde Unterstützung des Kollegiums

&

fehlende, gemeinsame Haltung des Kollegiums

Oft wird die Verantwortung an Schule für ein Thema an eine Person abgegeben. Der Bereich "Prävention" wird dann von der neuen Kollegin betreut, die "noch" Bock, aber dafür kein Standing im Kollegium hat. In der Hoffnung, damit im Kollegium und bei den Schüler*innen gut anzukommen, legt man los und ist auf einmal für Sexualerziehung, Drogenprävention, Islamismus, Fahrsicherheitstrainings, Erste Hilfe, Demokratie und Rechtsextremismus, gute Ernährung, etc. zuständig. Herzlichen Glückwunsch. Wenn das direkte Herausforderungen sind und Kolleg*innen bspw. mit rechten Sprüchen konfrontiert werden, verweisen sie an "die Beauftragten" und wenn diese es nach zwei Gesprächen nicht geschafft haben, das Problem zu beseitigen, sind sie inkompetent. 

Verwechselt wird, dass es natürlich beauftragte Personen geben kann, die ZUSÄTZLICHE Angebote schaffen. Wenn ein Kollegium keine gemeinsame Haltung hat, kann es diese Alibiveranstaltungen aber auch gleich lassen, da es rausgeschmissenes Geld ist. Jede*r ist in der Verantwortung, demokratische Werte zu vermitteln und zu verteidigen. Machen Sie den Präventionsjob nur, wenn Sie im Team geklärt haben, was das genau bedeutet. Welche Wünsche und Erwartungen haben Sie dabei an ihr Team? Machen Sie deutlich, was geht und wo Grenzen sind, damit Sie keine Erwartungen schaffen, die Sie nicht erfüllen können. Richtig gut ist es, wenn Sie neben den Angeboten für Schüler*innen auch Angebote für das Kollegium zu den Themen anzielen. Dazu kann gehören, sich gemeinsam mit dem Leitbild und der Frage, wie dies in der Praxis gelebt wird, auseinanderzusetzen oder auch mit der Frage, wie gehen wir mit welchem Verhalten in der Schule um? Wo ist die gemeinsame Grenze? etc.

Rechte Einstellung von Kolleg*innen

Es gibt wenige Kollegien, in denen alle mitziehen. Oft gibt es einen kleinen, aber harten Kern an Verweigerern, bis hin zu Gegner*innen. Verpulvern Sie nicht Ihre gesamte Energie für die Auseinandersetzung mit diesen Kolleg*innen, sondern nutzen sie Ihre Power für die anderen. Versuchen Sie, Ihre Leichtigkeit mit dem Thema zu bewahren und machen Sie, sollte es eindeutige Angriffe geben, deutlich, dass Demokratieerziehung der Auftrag einer jeden Lehrkraft in Deutschland ist. Die Auseinandersetzung mit Demokratie und Feindlichkeit ihr gegenüber ist keine Moralapostelposition oder übertriebene Motivation, sondern der Job. Wer das nicht macht, macht einen relevanten Teils seines Jobs nicht. Versuchen Sie gerade über diesen Punkt mit Ihrem Kollegium ins Gespräch zu gehen. Wenn Sie wissen, dass einzelne Lehrkräfte rechte Positionen vertreten, dann können Sie davon ausgehen, dass es auch Schüler*innen gibt, die damit konfrontiert werden. Versuchen sie der Schulleitung die Relevanz zu erläutern, das Thema ernst zu nehmen. Es gibt viele Strategien und Möglichkeiten, kreativ damit umzugehen. 

Fehlende, klare Haltung der Schulleitung

&

Falsches Verständnis des Neutralitätgebots

Nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch Schulleitungen sind oft überfordert und haben Angst vor dem Thema. Aus Gründen des Neutralitäsgebots will man sich nicht klar positionieren, zu Podiumsdiskussionen müsse man ja auch die AfD einladen, sonst würde man diese ja ausgrenzen, die sind ja demokratisch gewählt...*kotz*

 

Schulen können sich selbstverständlich klar positionieren, auch gegen die AfD. Wichtig ist hierbei nur, wie man das macht. Je besser eine Schule und auch die Leitung klar angibt, wofür sie steht, desto besser ist im Regelfall auch die Positionierung gegen "Rechts". Ein Aufruf, die AfD nicht zu wählen, kann als Schule Schwierigkeiten nach sich ziehen. Gemeinsam mit dem Kollegium und den Schüler*innen ein Leitbild zu entwickeln, in dem demokratische Werte deutlich und klar benannt sind, ist allerdings eine Grundlage, auf die man sich beziehen kann. Diese fehlt in Schulen jedoch oft. Wenn nun die SV eine Podiumsdiskussion organisiert und auf Grundlage dieses Leitbildes entscheidet, Vertreter*innen welcher Parteien teilnehmen sollen, ist es überhaupt kein Problem, die AfD nicht reinzulassen. Wichtig hierbei ist Transparenz! Machen Sie so früh wie möglich deutlich, wie es zu der Entscheidung gekommen ist, Person X einzuladen und Person Y nicht, damit die AfD sich nicht als Opfer hinstellen kann, sondern sie diese im Vorfeld als "Täter" benennen. 

"Wenig Zeit" für Beziehungsarbeit

Der Zeitfaktor ist an jeder Schule Thema. Doch wie viel Zeit braucht man für Beziehungsarbeit in einer Klasse? Ich glaube, insbesondere der Anfang ist wichtig. Je besser die Beziehung beim Kennenlernen aufgebaut wird, desto leichter werden Sie es in der Klasse haben. Machen Sie sich nichts vor, in der Regel verbringen die Schüler*innen mehr Zeit mit Ihnen, als mit ihren Eltern. Sie sind als Lehrkraft maßgebliches Modell, ob Sie wollen oder nicht. Aus diesem Grund ist es völlig normal, dass Schüler*innen wissen wollen, wer Sie sind. Dies geschieht entweder, wenn Sie freiwillig mit den Schüler*innen in den Kontakt treten und vermitteln, dass Ihnen das Spaß macht oder wenn die Schüler*innen Sie testen, damit sie eine Idee davon bekommen, wie Sie ticken. Lassen Sie die Schüler*innen an Ihrem Leben teilhaben, zumindest soviel, dass sie Erfahren können, wer Sie sind. Sie sind kein Roboter, sondern ein Mensch mit Emotionen. Sie müssen nicht alles Wissen, aber gemeinsam mit den Schüler*innen neugierig auf Antworten sein. Fragen Sie auch mal die Schüler*innen um Rat, zeigen Sie, dass sie sich gegenseitig unterstützen können und wollen. 

Angst vor dem Thema / Überforderung

Entspannen Sie sich, Sie brauchen nicht das Programm der NPD und AfD zu kennen, um mit den Schüler*innen darüber ins Gespräch zu gehen. Reden Sie über Werte und wie diese ganz praktisch aussehen. Zudem sind Sie nicht alleine und Sie müssen die einzig richtige Wahrheit nicht kennen, da es diese nicht gibt. Wenn Sie auf Grundlage der Menschenrechte mit den Schüler*innen ins Gespräch gehen, wird es Ihnen leichter fallen, als wenn Sie über "kriminelle Ausländer" diskutieren sollen. Geben Sie die Frage in die Klasse, warum es schlecht ist, wenn alle Menschen gleichwertig behandelt werden würden oder warum nicht jede*r so lieben dürfen sollte, wie man möchte - wem würde das Schaden? Behalten Sie Ihre Leichtigkeit.

Angst, im Kollegium als inkompetent zu gelten
&

Abwertung durch andere Kolleg*innen 

Wenn Sie Angst davor haben, im Kollegium über Herausforderungen und Probleme offen zu reden, um gemeinsam nach Ideen zu suchen, dann haben Sie neben gleich zwei Probleme. Das, das Sie ohnehin schon haben und das, dass Sie zwar ein Kollegium, aber kein Team sind. Es ist völliger Quatsch, anzunehmen, dass jede*r alle Herausforderungen, die eine Kasse mit sich bringt, alleine meistern kann. Wenn dies so wäre, wieso gibt es dann unterschiedliche Lehrkräfte für unterschiedliche Fächer? Wir müssen nicht jede Situation schnell und einfach lösen können, denn das können wir nicht. Wenn Sie als Lehrkraft gut sein wollen, dann verschaffen Sie sich einen Überblick über die unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten, beraten sich mit Kolleg*innen und wählen gut überlegt aus, was die geeignetste Lösung ist und nicht die einfachste. Dann macht das Lösen von Problemen auch Spaß. 

 

Das Kind ist einfach schwierig...

...oder es sucht Ihre Nähe. Mehr dazu beispielsweise hier: Beziehungsangebot